Donnerstag, 23. September 2010

Staub

...

Wie kann etwas mit so einem schönen Namen, so schlecht sein?
Engelsstaub. Engelsstaub. Engelsstaub.
Das Wort frisst sich in meine Gedanken und hinterlässt nur zusammengeklebte Klumpen unfertiger Ströme. Ich habe es übersetzt. Um ihn für mich eine Bedeutung zu geben. Um die eigentliche zu verschleiern. Und trotzdem ist mir speiübel nach diesem Wort. Ich möchte kotzen. Die ganze Welt möchte ich vollkotzen. Und wenn das nicht reicht um dieses Wort loszuwerden auch tausend Welten.
Aber ich kann nicht. Also sitze ich still und starr in meinem Zimmer. Ich Atme und bewege mich kaum. Aus Angst ich könnte etwas zerbrechen. Etwas in mir, dass sich schon kaputt genug anfühlt.
Gerne würde ich die Arme um mich schlingen und hemmungslos Weinen. Angebrochene Ströme damit beenden und alles fort spülen. Einfach nur fort.
Aber Engelsstaub bleibt kleben. Er klebt an jedem Wort und macht es schmutzig und hässlich. Man möchte die Augen verschließen. Und gleichzeitig will man es anstarren. Wie einen Engel verehren. Seine Seele für den Kick verpfänden. Ist es nicht so?
Während ich besinnungslos vor Angst werde, suchst du genau dieses Adrenalin. Kick. Ein Tritt. Und er geht mitten in meine Magenkuhle.
Die Tränen stehen mir jetzt schon im Gesicht. Sie beißen sich an den kleinen Fältchen um meine Augen fest, wenn ich diese zusammenkneife. Deine Schuhspitze presst den Sauerstoff aus meinen Lungenflügeln. Und ich frage mich, ob Engel Stahlkappenschuhe tragen. Es scheint mir fast so.
Während du meine Flügel bis auf den letzten Tropfen Sauerstoff ausquetscht, der brodelnd über meine aufgesprungenen Lippen spritzt, sind deine gewaltig. Sie sind monströs. Sie sind Staubig.
Angeldust.
Der Begriff macht mich schwindelig. Ich möchte um die echten Engel weinen. Möchtest du das nicht? Glaubst du überhaupt noch etwas? Vielleicht ist der Staub dir längst in Herz und Nieren übergegangen. Hat deinen Atem verklebt wie die Mittagssonne an einem unerträglichen Tag. Genau wie der Teer. Das Nikotin. Dabei hast du beides Mal so sehr gehasst.
Ist das der Preis der Strebsamkeit?
Ich dachte immer der Preis dafür sei die Aufgabe unseres Verhältnisses und der Übergang zum Ellenbogeneinsatz. Ein Wettkampf, den nur du bestreitest. Schon das war hart für mich zu akzeptieren. Zu wissen, dass du mich als Konkurrenz siehst. Plötzlich driftete ich in die Mittelmäßigkeit ab. Du warst der hell leuchtende Stern. Und ich gönnte es dir. Ich gönne es dir. Aber was heißt das schon noch. Ich bin stolz. Auf dich.
Und gleichzeitig ist mir ganz bang um dich.
Ich möchte dich halten mein Engel. Ich will dir sagen, dass alles gut wird. Will dir sagen, dass du so etwas nicht tun musst um akzeptiert zu werden. Möchte den Menschen halten, nicht den Stern. Nicht den Engel. Aber was zähle ich schon. Ich Außenseiter. Ich mittelmäßiges Nichts.
Es fühlt sich so an. Als ob du genau das denkst. Mir ins Gesicht lachst. Mir sagst wie weit unter dir ich gelandet bin. Stahlkappenschuhe. Ich begrüße euch.
Ich will mit stolzem Gesicht entgegenblicken und sagen: Gut gemacht. Genau so soll es sein.
Aber einem Engel sagt man so etwas nicht. Nicht einmal einem, der zu Staub zerfällt.
Will dich in eine Urne schließen. Will dich ins Meer bringen. Will dich heilen lassen. Und kann doch nicht.
Staub. Staub. Staub.
Alles was ich anfasse scheint so zu enden. Wäre ich ein Engel würdest du mich lieben.
Dann wäre
alles
alles
was zerfällt
unter meinen Fingern
Engelsstaub.

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