Ich möchte Singen und Weinen in einem Atemzug. Ich möchte Staub atmen. Ich möchte Sonne trinken. Ich möchte die Welt umarmen und mich gleichzeitig in ihren Schatten stellen. Möchte den Wind streicheln und die Wellen fluten. Will tanzen und fallen. Und aufstehen.
Und dann gleich nochmal. Will reden, rasten, rasen und rächen. Will rastlos, ratlos Reue sammeln, sie aufspießen und in einer Kette um den Hals tragen.
Ich will für meine Taten Verantwortung tragen und gleichzeitig weinen wie ein Kind.
Ich will kichern, albern sein. Ich will herumgeistern, will ein Schatten sein. Mal hier mal dort. Und alles sehen.
Wer sollte mir all das verbieten? Die Welt will ich erfahren aus eigenem Antrieb, sie fühlen, schmecken und riechen. Dann will ich sie stürzen und neu bauen. Und alles von vorn. Immer wieder. Damit ich wirklich jede Faser kenne.
Das Leben erfüllt mich und gleichzeitig bin ich so leer, dass ich mich im Kreis drehen will, bis mir schlecht wird. Das habe ich als Kind so gerne getan, dass allein die Erinnerung mich manchmal schmunzeln lässt. Wo ist dieser kindliche Drang nach Albernheiten nur hin? Der Drang alles zu vermischen und ganz neue Dinge zu sehen. Und das obwohl ja alles neu ist.
Warum kann nicht einfach alles in Worte gefasst sein. Worte sind das, was ich verstehe und nicht verstehe. Mein Tor zur Welt, durch das ich mit einem summenden Liedchen auf den Lippen und nur Leibchen Barmherzigkeit am Körper, gehen will.
Dann im Kreis wiegen und wanken. Bis nichts mehr übrig bleibt. Bis zum Umfallen. Die Welt genießen.
Freitag, 24. September 2010
Die Welt genießen
Donnerstag, 23. September 2010
Staub
Wie kann etwas mit so einem schönen Namen, so schlecht sein?
Engelsstaub. Engelsstaub. Engelsstaub.
Das Wort frisst sich in meine Gedanken und hinterlässt nur zusammengeklebte Klumpen unfertiger Ströme. Ich habe es übersetzt. Um ihn für mich eine Bedeutung zu geben. Um die eigentliche zu verschleiern. Und trotzdem ist mir speiübel nach diesem Wort. Ich möchte kotzen. Die ganze Welt möchte ich vollkotzen. Und wenn das nicht reicht um dieses Wort loszuwerden auch tausend Welten.
Aber ich kann nicht. Also sitze ich still und starr in meinem Zimmer. Ich Atme und bewege mich kaum. Aus Angst ich könnte etwas zerbrechen. Etwas in mir, dass sich schon kaputt genug anfühlt.
Gerne würde ich die Arme um mich schlingen und hemmungslos Weinen. Angebrochene Ströme damit beenden und alles fort spülen. Einfach nur fort.
Aber Engelsstaub bleibt kleben. Er klebt an jedem Wort und macht es schmutzig und hässlich. Man möchte die Augen verschließen. Und gleichzeitig will man es anstarren. Wie einen Engel verehren. Seine Seele für den Kick verpfänden. Ist es nicht so?
Während ich besinnungslos vor Angst werde, suchst du genau dieses Adrenalin. Kick. Ein Tritt. Und er geht mitten in meine Magenkuhle.
Die Tränen stehen mir jetzt schon im Gesicht. Sie beißen sich an den kleinen Fältchen um meine Augen fest, wenn ich diese zusammenkneife. Deine Schuhspitze presst den Sauerstoff aus meinen Lungenflügeln. Und ich frage mich, ob Engel Stahlkappenschuhe tragen. Es scheint mir fast so.
Während du meine Flügel bis auf den letzten Tropfen Sauerstoff ausquetscht, der brodelnd über meine aufgesprungenen Lippen spritzt, sind deine gewaltig. Sie sind monströs. Sie sind Staubig.
Angeldust.
Der Begriff macht mich schwindelig. Ich möchte um die echten Engel weinen. Möchtest du das nicht? Glaubst du überhaupt noch etwas? Vielleicht ist der Staub dir längst in Herz und Nieren übergegangen. Hat deinen Atem verklebt wie die Mittagssonne an einem unerträglichen Tag. Genau wie der Teer. Das Nikotin. Dabei hast du beides Mal so sehr gehasst.
Ist das der Preis der Strebsamkeit?
Ich dachte immer der Preis dafür sei die Aufgabe unseres Verhältnisses und der Übergang zum Ellenbogeneinsatz. Ein Wettkampf, den nur du bestreitest. Schon das war hart für mich zu akzeptieren. Zu wissen, dass du mich als Konkurrenz siehst. Plötzlich driftete ich in die Mittelmäßigkeit ab. Du warst der hell leuchtende Stern. Und ich gönnte es dir. Ich gönne es dir. Aber was heißt das schon noch. Ich bin stolz. Auf dich.
Und gleichzeitig ist mir ganz bang um dich.
Ich möchte dich halten mein Engel. Ich will dir sagen, dass alles gut wird. Will dir sagen, dass du so etwas nicht tun musst um akzeptiert zu werden. Möchte den Menschen halten, nicht den Stern. Nicht den Engel. Aber was zähle ich schon. Ich Außenseiter. Ich mittelmäßiges Nichts.
Es fühlt sich so an. Als ob du genau das denkst. Mir ins Gesicht lachst. Mir sagst wie weit unter dir ich gelandet bin. Stahlkappenschuhe. Ich begrüße euch.
Ich will mit stolzem Gesicht entgegenblicken und sagen: Gut gemacht. Genau so soll es sein.
Aber einem Engel sagt man so etwas nicht. Nicht einmal einem, der zu Staub zerfällt.
Will dich in eine Urne schließen. Will dich ins Meer bringen. Will dich heilen lassen. Und kann doch nicht.
Staub. Staub. Staub.
Alles was ich anfasse scheint so zu enden. Wäre ich ein Engel würdest du mich lieben.
Dann wäre
alles
alles
was zerfällt
unter meinen Fingern
Engelsstaub.