Es ist das Gefühl als ob die Fülle an Farben mich überschwemmt. Meine Augen tränen, mein Rachen brennt und jeder Geruch drängt sich beißend in meine Nase um die kleinen Bläschen meiner Lunge zum bersten zu bringen. Reizüberflutung. Ja so nennt man das wohl. Ein viel zu schwaches Wort für die Fülle an Sinneseindrücken zu finden, die auf mich herein prasseln wie Platzregen, sobald ich aus der Tür trete. Und dann beginne ich zu Fragen, denn fragen ist etwas, was jeder Mensch tun sollte.
Wie sehen andere die Welt?
Ist es für sie auch so eine Sintflut an Farben, Formen, Gerüchen und Gefühlen oder eine ganz Andere, sie mir nur verschlossen bleibt? Denn woher soll ich kleiner Mensch schon wissen, wie es in meinen Artgenossen aussieht. Ich könnte ja diese ganze Welt mit ihren wunderschönen Farben, Klängen, Gerüchen und Tasteindrücken einfach nur träumen. Ich würde es nicht einmal merken.
Selbst wenn ich der einzige Mensch hier wäre, der wirklich existiert. Oder wer weiß, vielleicht tue ich das auch nicht und in Wirklichkeit bist du es, der diese Worte hier liest, der als einziges Wesen existiert und mich nur träumt. Dann wären dies hier deine Worte. Und sie verwirren mich.
Aber das wäre ja nur der extremste Fall. Ich möchte hier niemandem seine scheinbare Existenz aberkennen, nicht einmal mir selbst.
Fangen wir also mit einer scheinbar kleineren Frage an.
Welche Farbe hat dieser Satz für dich?
Rot, nicht wahr?
Aber was wäre, wenn mein Rot in Wirklichkeit so aussähe wie dieser Satz für dich?
Wir würden der ersten Satz lesen und wissen, ja, das ist Rot. Dabei würden wir etwas völlig Anderes sehen. Wie könnten wir Bilder, Farbkompositionen, nein, unsere ganze Welt miteinander vergleichen? Wir würden sie so anders sehen, wie nur irgend möglich. Als wäre das nicht schon ohne diese etwaigen Möglichkeiten selbstverständlich, dass jemand eine andere Weltsicht hat. Diese könnte man ihn unter solchen Umständen nicht einmal mehr übel nehmen.
Und wahrscheinlich könnte ich dann diese Sinnesflut mit niemanden auf diese Weise, wie ich sie jeden Tag erlebe, teilen.
Vielleicht bedeuten unter diesem Aspekt nicht einmal meine Worte dasselbe für dich. Und wenn du sie doch verstanden hast, so denke drüber nach. Wie sicher bist du dir dessen, was du glaubst zu wissen?
Für mich ist es so, wie schon Kant es im Bezug auf Religion feststellte. Die Kunst ist nicht genau zu wissen wie und ob etwas ist. Denn wissen kann man nichts. Die wahre Kunst besteht darin zu leben, als ob es so sei.
Jazz over and out.
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