Ich wünschte, ich könnte fliegen.
Als ich kleine war habe ich immer davon geträumt. Ich wollte frei sein, die Möglichkeit haben dorthin zu können, wo auch immer ich hin will. Und manchmal träume ich heute auch noch davon. So ziemlich jede Sekunde. Denn wenn man mit offenen Augen träumen kann bleibt nicht viel Zeit für die Wirklichkeit. Aus tanzenden Paaren werden mit einem Wimpernschlag grausige Gestalten. Nicht mehr als ein paar Fetzen dunkler Stoff, den die Nacht nicht verbergen kann. Und mitten im Tanze wird einem bewusst, dass die Spiegel überall sind und man den eigenen Träumereien nicht entkommt. Aber meistens sind Träume alles, was bleibt.
Ausgesiebt, fein säuberlich sortiert und von allen Seiten betrachtet wird man irgendwo hin geworfen. Nicht dorthin wo das Leben einen haben will, sondern wo es der Gesellschaft grade nützt. Und wir glauben allen Ernstes frei zu sein.
Aber das ist alles nur eine Lüge. Um uns bei Laune zu halten und zu strebsamen kleinen Arbeitern zu erziehen, zu stützen des Systems. Faulige, ranzige, brüchige Stützen. Aber mittlerweile gibt es doch so viele von uns, dass es niemanden kümmert, dass die Überproduktion als einziges noch stützt.
Und Träume werden nun einmal nicht in Massenproduktion hergestellt. man webt sie mit jedem einzelnen Wunschdenken und durch so dünne Fäden, dass es mehrere Jahre dauern kann ein festes Gewebe zu erhalten. Aber diese Art von Arbeit zählt nicht. Weil man sie nicht mit Noten und Zensuren oder irgendwelchen anderen Maßstäben messen kann. Und allen Fliegenden stutzt man die Flügel mit stumpfen Klingen. Man reißt sie in Stücke. Spuckt sie auf den Boden und zertritt sie im jämmerlichen Morast. Bis vom Fliegen nichts weiter übrig bleibt als eine vage Erinnerung.
Nur dass Erinnerungen an so etwas Allumfassendes wie das Fliegen aus ebenso vielen Träumen bestehen wie sie nur ein ganzes Leben erträumen kann. Man kann uns zwar die Flügel ausreißen, aber die Träume werden uns immer bleiben. Denn auch der kleinste Wunsch, die geringste Sehnsucht, lässt sie neu entfachen.
Montag, 15. November 2010
Fliegen
Sonntag, 17. Oktober 2010
Rhorschachtest für Fortgeschrittene
Rastlos versuche ich meinen Atem zu erhaschen, in endlos kreisenden Bahnen. Immer wieder wiederholt sich der letzte Akt. Das Mienenspiel von Lust und Liebe, von Freude und Schmerz. Die Menge zum Zerreißen gespannter Gesichter ich seh‘ sie kaum. Verschwommen. Das helljauchzende Klagelied erhebt sich, bläst zum nächsten Akt.
Tanzend fallen die Sterne vom Himmel. Taumelnd schlagen sie sich nieder, landen auf den steinharten Brettern, die einmal die Welt bedeuteten. Und Worte klingen klanglos. Allesamt. So abgestumpft und trüb wie des morastigen Sumpfes Herz.
An Ranken klettern sie hinauf. Suchen Licht und finden Schatten. Wärme kriecht und schnaubt, während im Staub sie sich suhlen. Ein letzter Atemhauch der Sinnlosigkeit zwischen Buchstaben, die wie Zuckerkörner aneinander kleben.
Und wer nicht versteht, was diese Worte sagen, der fühlt sich wie ich, aus deren Kopf sie doch entstammen. Einfach zu schreiben, was dort herumschritt scheint noch das Leichteste. Aber selbst so aneinander gereiht wirken sie mehr wie ein Fall für den Psychiater als alles andere.
Wie ein Rohrschachtest. Schwarze Tintenkleckse, die auf einmal Schmetterlinge oder Ratten ergeben. Je nachdem wie kaputt der eigene Kopf bereits ist. Was also kann man aus diesen zusammengewürfelten Tintenklecksen in Wortgestalt nun lesen?
Dass ich vor dem zu Bett gehen weder Horrorfilme sehen, noch Süßigkeiten essen sollte? Dass ich wieder einmal viel zu lange wach bin? Oder vielleicht nur, dass ich dieses Chaos für zu wichtig erachte und solche kleinen Verstandsprobleme Teil der Pubertät sind?
Letzteres klingt für mich noch am Logischsten. Zumindest ein wenig. Und so schließe ich diesen sinnlosesten aller Einträge. Einfach so. Mitten im Sa
Freitag, 24. September 2010
Die Welt genießen
Ich möchte Singen und Weinen in einem Atemzug. Ich möchte Staub atmen. Ich möchte Sonne trinken. Ich möchte die Welt umarmen und mich gleichzeitig in ihren Schatten stellen. Möchte den Wind streicheln und die Wellen fluten. Will tanzen und fallen. Und aufstehen.
Und dann gleich nochmal. Will reden, rasten, rasen und rächen. Will rastlos, ratlos Reue sammeln, sie aufspießen und in einer Kette um den Hals tragen.
Ich will für meine Taten Verantwortung tragen und gleichzeitig weinen wie ein Kind.
Ich will kichern, albern sein. Ich will herumgeistern, will ein Schatten sein. Mal hier mal dort. Und alles sehen.
Wer sollte mir all das verbieten? Die Welt will ich erfahren aus eigenem Antrieb, sie fühlen, schmecken und riechen. Dann will ich sie stürzen und neu bauen. Und alles von vorn. Immer wieder. Damit ich wirklich jede Faser kenne.
Das Leben erfüllt mich und gleichzeitig bin ich so leer, dass ich mich im Kreis drehen will, bis mir schlecht wird. Das habe ich als Kind so gerne getan, dass allein die Erinnerung mich manchmal schmunzeln lässt. Wo ist dieser kindliche Drang nach Albernheiten nur hin? Der Drang alles zu vermischen und ganz neue Dinge zu sehen. Und das obwohl ja alles neu ist.
Warum kann nicht einfach alles in Worte gefasst sein. Worte sind das, was ich verstehe und nicht verstehe. Mein Tor zur Welt, durch das ich mit einem summenden Liedchen auf den Lippen und nur Leibchen Barmherzigkeit am Körper, gehen will.
Dann im Kreis wiegen und wanken. Bis nichts mehr übrig bleibt. Bis zum Umfallen. Die Welt genießen.
Donnerstag, 23. September 2010
Staub
Wie kann etwas mit so einem schönen Namen, so schlecht sein?
Engelsstaub. Engelsstaub. Engelsstaub.
Das Wort frisst sich in meine Gedanken und hinterlässt nur zusammengeklebte Klumpen unfertiger Ströme. Ich habe es übersetzt. Um ihn für mich eine Bedeutung zu geben. Um die eigentliche zu verschleiern. Und trotzdem ist mir speiübel nach diesem Wort. Ich möchte kotzen. Die ganze Welt möchte ich vollkotzen. Und wenn das nicht reicht um dieses Wort loszuwerden auch tausend Welten.
Aber ich kann nicht. Also sitze ich still und starr in meinem Zimmer. Ich Atme und bewege mich kaum. Aus Angst ich könnte etwas zerbrechen. Etwas in mir, dass sich schon kaputt genug anfühlt.
Gerne würde ich die Arme um mich schlingen und hemmungslos Weinen. Angebrochene Ströme damit beenden und alles fort spülen. Einfach nur fort.
Aber Engelsstaub bleibt kleben. Er klebt an jedem Wort und macht es schmutzig und hässlich. Man möchte die Augen verschließen. Und gleichzeitig will man es anstarren. Wie einen Engel verehren. Seine Seele für den Kick verpfänden. Ist es nicht so?
Während ich besinnungslos vor Angst werde, suchst du genau dieses Adrenalin. Kick. Ein Tritt. Und er geht mitten in meine Magenkuhle.
Die Tränen stehen mir jetzt schon im Gesicht. Sie beißen sich an den kleinen Fältchen um meine Augen fest, wenn ich diese zusammenkneife. Deine Schuhspitze presst den Sauerstoff aus meinen Lungenflügeln. Und ich frage mich, ob Engel Stahlkappenschuhe tragen. Es scheint mir fast so.
Während du meine Flügel bis auf den letzten Tropfen Sauerstoff ausquetscht, der brodelnd über meine aufgesprungenen Lippen spritzt, sind deine gewaltig. Sie sind monströs. Sie sind Staubig.
Angeldust.
Der Begriff macht mich schwindelig. Ich möchte um die echten Engel weinen. Möchtest du das nicht? Glaubst du überhaupt noch etwas? Vielleicht ist der Staub dir längst in Herz und Nieren übergegangen. Hat deinen Atem verklebt wie die Mittagssonne an einem unerträglichen Tag. Genau wie der Teer. Das Nikotin. Dabei hast du beides Mal so sehr gehasst.
Ist das der Preis der Strebsamkeit?
Ich dachte immer der Preis dafür sei die Aufgabe unseres Verhältnisses und der Übergang zum Ellenbogeneinsatz. Ein Wettkampf, den nur du bestreitest. Schon das war hart für mich zu akzeptieren. Zu wissen, dass du mich als Konkurrenz siehst. Plötzlich driftete ich in die Mittelmäßigkeit ab. Du warst der hell leuchtende Stern. Und ich gönnte es dir. Ich gönne es dir. Aber was heißt das schon noch. Ich bin stolz. Auf dich.
Und gleichzeitig ist mir ganz bang um dich.
Ich möchte dich halten mein Engel. Ich will dir sagen, dass alles gut wird. Will dir sagen, dass du so etwas nicht tun musst um akzeptiert zu werden. Möchte den Menschen halten, nicht den Stern. Nicht den Engel. Aber was zähle ich schon. Ich Außenseiter. Ich mittelmäßiges Nichts.
Es fühlt sich so an. Als ob du genau das denkst. Mir ins Gesicht lachst. Mir sagst wie weit unter dir ich gelandet bin. Stahlkappenschuhe. Ich begrüße euch.
Ich will mit stolzem Gesicht entgegenblicken und sagen: Gut gemacht. Genau so soll es sein.
Aber einem Engel sagt man so etwas nicht. Nicht einmal einem, der zu Staub zerfällt.
Will dich in eine Urne schließen. Will dich ins Meer bringen. Will dich heilen lassen. Und kann doch nicht.
Staub. Staub. Staub.
Alles was ich anfasse scheint so zu enden. Wäre ich ein Engel würdest du mich lieben.
Dann wäre
alles
alles
was zerfällt
unter meinen Fingern
Engelsstaub.
Dienstag, 1. Juni 2010
Theorien zum Glück III - "Homini felices"
Ich glaube die Glücksforschung ist so alt wie der Mensch selbst. So manch einer, der sich an ihr versuchte, wurde daraufhin so unglücklich, dass er seines Lebens nicht mehr froh werden konnte. Denn die Wahrheit über das Glück ist wohl, dass man es, ganz egal wie sehr man sich bemüht, nicht fassen kann.
Worin suchen wir Glück?
Es gibt eine Sorte Menschen, die ihr Glück ganz klar in Materiellen Werten misst. Wer viel Geld hat muss unglaublich glücklich sein. Wer‘s glaubt. Der größte Protzentsatz der von Depressionen befallenen Menschen hat genug Geld um nach dieser Definition als glücklich zu gelten. Warum sie es nicht sind? Nun vielleicht weil Depressionen in gehobenen Kreisen wohl zu einer Art Modekrankheit geworden sind. Oder einfach, weil Geld nicht glücklich macht. Es ist egal wie sehr wir in unserem Leben nach Geld streben. Weil wir ernsthaft noch immer glauben diese kleinen, bunten Scheine und glänzenden Münzen würden uns Glückseligkeit verschaffen. Wenn es so wäre, könnten wir gleich zum Ablasshandel zurückkehren. Der Mensch hat sich doch verändert oder?
Das hat er. Vom eigentlichen Homo sapiens sapiens ist nicht mehr viel Übrig. Weisheit gilt heute nicht mehr als Zustand der Vollkommenheit, nein der wahre Wert wird am Einkommen gemessen. Was aus uns geworden ist?
Nun ja, man könnte die neue Menschenrasse als Homo oeconomicus bezeichnen. Der Mensch, der nur noch auf wirtschaftlichen Erfolg aus ist.
Man kürzt die Schuljahre um schneller gut ausgebildete Arbeitskräfte zu haben und zieht eine ganze Ellenbogengesellschaft auf in der lediglich der Konkurrenzkampf noch über das Maß des Glücks bestimmen kann. Denn, ganz ehrlich, ist man denn nicht glücklicher, wenn man mehr hat als ein anderer? Eine wirkliche Entwicklung. Von geistlichen Werten wie Weisheit und Vernunft zurück zu den Jägern und Sammlern.
Aber warum genau richten wir uns nach solchen Bezeichnungen? Um uns von anderen Tieren zu unterscheiden. Um unseren Erfolg zu messen und uns genau mit dem Begriff auszuzeichnen, den wir als den Idealzustand bezeichnen würden. Wenn man genau nachdenkt ist es merkwürdig, dass sich die Menschliche Rasse nun selbst als weise bezeichnen müssen. Was ersuchen wir denn über Weisheit zu finden? Und wie haben wir überhaupt vor weise zu werden, wenn uns nichts auf dieser Welt gewiss ist?
Würde man mich fragen, wie man die neue Entwicklungsstufe des Menschen nennen sollte, so würde ich wahrscheinlich lachen. Neu? Nichts an uns ist neu. Weder unser Wissensdurst, noch der Versuch Reichtümer, sowie spirituelle Güter auf dieser Welt zu sammeln. Im Endeffekt sind wir alle angetrieben von dem Wunsch glücklich zu sein. Der Mensch hat sich nicht verändert, nur seine Art, das Glück zu suchen. Wir sind das, was wir schon seit hunderten von Jahren sind. Wir sind Homini felices.
Aber wenn dem so wäre und wir tatsächlich so lange schon nach Glück suchen, warum finden wir keinen Weg es wirklich zu erhalten?
Nun im Laufe der Zeit haben wir verschiedene Wege gefunden.
Glück ist, wenn wir Neues erleben, Unbekanntes erfahren oder einfach dann, wenn etwas Angenehmes unseren Geist so sehr einnimmt, dass wir alle Sorgen vergessen und uns nur noch darauf konzentrieren können. Natürlich fällt es, der menschlichen Neugierde sei Dank, leichter sich auf etwas völlig Neues zu konzentrieren. Deswegen fühlen wir uns in einer sozialen Gemeinschaft auch so wohl. Denn, auch wenn wir es nicht merken, erfinden wir Menschen uns für gewöhnlich von Tag zu Tag neu. Wir entwickeln uns. Zumindest sollte man das meinen. Aus diesem Grund erfährt man in einer Gemeinschaft oder auch in einer Beziehung die größten Glücksmomente. Ein neues Auto oder ein Breitbildfernsehr wird schnell langweilig. Ein Mensch jedoch zeigt immer wieder neue Seiten von sich.
Dieses Phänomen kann man besonders gut bei Kleinkindern beobachten. Warum machen Kinder glücklich? Weil ihre Entwicklung so schnell von statten geht und nicht einmal eine Sekunde zu rasten scheint. Selbst im Schlaf entwickeln sich Kinder noch weiter und man kommt aus dem Staunen über ihre neuen Entdeckungen kaum heraus.
Doch darf man nicht vergessen, dass, wer großes Glück erlebt, das Unglück als noch größer empfindet. Wir Menschen neigen nun einmal zu Extremen, besonders, was schlechte Dinge angeht. Aber auch bei Unglück gilt, dass es nur eine Frage der Gewohnheit ist.
Und ich glaube kaum, dass ein wenig Unglück den modernen Homo felix bei seiner Suche nach Glück und Zufriedenheit aufhalten kann.
In diesem Sinne…
Jazz over and out.
Sonntag, 9. Mai 2010
Menschenwürde
Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Welch wunderbares Gesetz. Aber was ist Menschenwürde? Ich weiß noch als ich das erste Mal ein Grundgesetzt in Händen hielt, es aufschlug und prompt auf dieses Wort stieß. Und ich hatte keine Ahnung was es bedeutet. Begriffe wie „würdevoll sterben“ tanzten in meinen Gedanken ohne auch nur eine Spur Klarheit nach sich zu ziehen.
Was also genau sollte diese ominöse Menschenwürde sein und wie sollte man gegen so etwas schon verstoßen?
Im Religionsunterricht brachte man mir bei diese Würde sei etwas, was uns von Gott gegeben würde. Man könne gegen sie verstoßen indem man einen Menschen entstellt. Das sei Menschen unwürdig.
Langsam hatte ich eine grobe Ahnung von Würde. Etwas schemenhaft, wie eine Silhouette im Dämmerlicht, aber immerhin.
Vor wenigen Tagen bekam ebendiese Vorstellung einen herben Dämpfer. Grund für diesen war eine Diskussion über eine gewisse Ausstellung namens Körperwelten.
Menschenkörper, verschenkt, aufgeschnitten, ausgestopft und für die Nachwelt als Schaubild erhalten. Was genau daran meine Vorstellung an Menschenwürde zerstört hat?
Nicht das was ihr denkt.
Nicht dass diese Körper dort ausgestellt werden, sondern viel mehr, die entbrannte Diskussion, ob dies menschenwürdig sei. Es hat mich verwirrt, wenn man es so will.
Impliziert Menschenwürde nicht, dass man Herr über seinen eigenen Körper ist? Ist Menschenwürde nicht die Freiheit, die ich mit ihr verbunden habe?
Wenn ich nach dem Tod den Wunsch habe anderen Menschen auf diese Weise erhalten zu bleiben, wäre es nicht menschenwürdig den Wunsch eines Vergangenen zu erfüllen und ihm seine Würde auf diese Weise noch im Tod zu gewähren?
Es geschieht doch auf Wunsch der Verstorbenen.
Wer definiert schon Würde? Was, wenn es für mich im Tod am würdevollsten wäre der Menschheit noch von nutzen zu sein? Wer würde mir diesen Wunsch verwehren wollen?
Es war furchtbar befremdlich all diese Menschen diskutieren zu hören.
Und anstrengend war es obendrein.
Nach und nach kommt es mir so vor als hätte ich diesen Begriff völlig falsch verstanden.
Wie soll man Politik verstehen, wenn nicht einmal der erste Artikel schlüssig scheint? Die Welt ist verwirrend.
Und wieder kam mir der Gedanke, dass man nichts wissen kann. Überhaupt nichts. Was also soll ich mit einer Würde, die ich nicht verstehe? Was soll ich mit einer würde im Tod, die ich nicht will?
Furchtbar verwirrend.
Jazz over and out.
Dienstag, 27. April 2010
So zu leben als ob...
Es ist das Gefühl als ob die Fülle an Farben mich überschwemmt. Meine Augen tränen, mein Rachen brennt und jeder Geruch drängt sich beißend in meine Nase um die kleinen Bläschen meiner Lunge zum bersten zu bringen. Reizüberflutung. Ja so nennt man das wohl. Ein viel zu schwaches Wort für die Fülle an Sinneseindrücken zu finden, die auf mich herein prasseln wie Platzregen, sobald ich aus der Tür trete. Und dann beginne ich zu Fragen, denn fragen ist etwas, was jeder Mensch tun sollte.
Wie sehen andere die Welt?
Ist es für sie auch so eine Sintflut an Farben, Formen, Gerüchen und Gefühlen oder eine ganz Andere, sie mir nur verschlossen bleibt? Denn woher soll ich kleiner Mensch schon wissen, wie es in meinen Artgenossen aussieht. Ich könnte ja diese ganze Welt mit ihren wunderschönen Farben, Klängen, Gerüchen und Tasteindrücken einfach nur träumen. Ich würde es nicht einmal merken.
Selbst wenn ich der einzige Mensch hier wäre, der wirklich existiert. Oder wer weiß, vielleicht tue ich das auch nicht und in Wirklichkeit bist du es, der diese Worte hier liest, der als einziges Wesen existiert und mich nur träumt. Dann wären dies hier deine Worte. Und sie verwirren mich.
Aber das wäre ja nur der extremste Fall. Ich möchte hier niemandem seine scheinbare Existenz aberkennen, nicht einmal mir selbst.
Fangen wir also mit einer scheinbar kleineren Frage an.
Welche Farbe hat dieser Satz für dich?
Rot, nicht wahr?
Aber was wäre, wenn mein Rot in Wirklichkeit so aussähe wie dieser Satz für dich?
Wir würden der ersten Satz lesen und wissen, ja, das ist Rot. Dabei würden wir etwas völlig Anderes sehen. Wie könnten wir Bilder, Farbkompositionen, nein, unsere ganze Welt miteinander vergleichen? Wir würden sie so anders sehen, wie nur irgend möglich. Als wäre das nicht schon ohne diese etwaigen Möglichkeiten selbstverständlich, dass jemand eine andere Weltsicht hat. Diese könnte man ihn unter solchen Umständen nicht einmal mehr übel nehmen.
Und wahrscheinlich könnte ich dann diese Sinnesflut mit niemanden auf diese Weise, wie ich sie jeden Tag erlebe, teilen.
Vielleicht bedeuten unter diesem Aspekt nicht einmal meine Worte dasselbe für dich. Und wenn du sie doch verstanden hast, so denke drüber nach. Wie sicher bist du dir dessen, was du glaubst zu wissen?
Für mich ist es so, wie schon Kant es im Bezug auf Religion feststellte. Die Kunst ist nicht genau zu wissen wie und ob etwas ist. Denn wissen kann man nichts. Die wahre Kunst besteht darin zu leben, als ob es so sei.
Jazz over and out.
Freitag, 23. April 2010
Leviathan
Verdorben durch seine eigene Ruhmsucht, Besitzgier und Streitsucht. Kurz, durch Egoismus und Agressivität. Wann imemr ein Mensch etwas besitzt, was ein Anderer nicht hat, gibt es Streit. Wann immer sich ein Mensch in seiner persönlichen Eitelkeit verletzt fühlt wir gekämpft, gerangelt und gestritten.
Warum also schimpfen sich noch Menschen als gut?
Ein Staat mit Regeln und Bestrafungen hält sie im Zaun. Gleich einem grausamen Monster, dass mit eiserner Faust und Feuer regiert. Und trotzdem schaffen es die Menschen immer wieder sich und ihre Umwelt aufs heftigste zu Grunde zu richten.
Aber kann ein Wesen, das Begriffe we "gut" und "böse" erst eingeführt hat, wirklich so verdorben sein?
Wieso also möchte ein Mensch, der sich Weiteres als böse bezeichnet werden könnte, solche Kategorien erst ins Leben rufen?
Vielleicht ist das alles nur eine Art der Selektierung. Man möchte sich abheben, die eigenen Taten rechtfertigen und sich selbst, als so verkommenes Etwas, ein Stückchen weit verträglicher Machen. Gut wäre dann nur eine Abstufung vom Grundzustand, gleichzustezen mit weniger böse.
Warum also Dinge wie Religion und Nächstenliebe?
Weil nicht jeder Mensch böse sein möchte und die Gesellschaft einigen das böse sein quälend schwer macht. Moral, Anstand, Gebote und Religion zwingen die Bestie Mensch in geregelte Bahnen. Allen Voran Kirche uns Staat.
Und tatsächlich, die Menschen fügen sich. Einmal im jahr wird für die Opfer einer beliebigen Katastrophe gespendet, man organisiert Kleidersammlungen und gibt sich selbst als ein guter Mitmensch. Gezwungen oder nicht, diese Taten könnte man durchaus als gut bezeichnen. Selbst, wenn der Mensch, wie Thomas Hobbes uns es so eindrucksvoll in seinem Werk "Leviathan" erläutert hat, von Grund auf böse ist, so kann man ihm diesen Versuch seine Grundfeste zum Guten zu ändern hoch anrechnen.
Dann ist der Mensch nciht länger Knecht seiner eigenen Natur. Und allein das sollte uns bei der Frage gut oder böse zumindest ein wenig Hoffnung schenken. Wir sind noch nciht völlig verloren. In diesem Sinne...
Jazz over and out.
Samstag, 17. April 2010
Theorien zum Glück II
Aber es wird nicht wie es war.
Es wird.
Aber niemals wie es war.
So ist nun einmal der Lauf der Dinge. Manchmal nicht einmal das. Nicht solange sich Menschen im Selbstmitleid suhlen. Es soll so manchen Menschen geben, der wegen eines verlorenen Schlüssels einen größeren Aufstand als ein Anderer, weil er nichts zu essen hat, macht. So etwas ist mehr als Absurd. Das Glücksempfinden dieser Menschen hat sich so weit verschoben, dass Glück Routine ist, die kaum noch gesteigert wird. Wenn jemand dir jeden Tag fünfzig Euro schenken würde, wäre deine Freude darüber spätestens nach zehn Tagen doch auch viel geringer als am ersten Tag. Glück ist also eine Sache der Gewohnheit. Zumindest bei einem Großteil der Menschen. Bei der Anderen Hälfte ist es ebenso eine Sache des Vergleichs.
Schenkt dir jemand jeden Tag Geld und du vergleichst dann dein Glück mit jemanden, bei dem es nicht so ist, fühlst du dich glücklicher als dieser Andere und steigerst somit dein Glück.
Was ist Glück also wirklich?
Im Grunde nur ein kleines Fenster Euphorie, dass sich je nach Gewohnheit oder Vergleich vergrößert oder verkleinert, in manchen Fällen auch einfach nur verschiebt.
So viel dazu.
Jazz over and out.
Samstag, 3. April 2010
Ein paar an die Luft gesetzte Worte
Einen guten Morgen und schönen Ostersamstag wünsche ich.
Ich nutze gerade eine kleine Verschnaufpause zwischen Aufstehen und Arbeiten zum Schreiben. Sicher könnte man mir vorwerfen ohne jedes Konzept einfach Worte in die Gegend zu schmeißen und irgendwie hätte man damit Recht.
Der Frühling scheint nun endlich nahe. Die ersten Sonnenstrahlen haben ein paar Knospen geweckt und mit ihnen sind gleich ein paar Frühlingsgefühle hochgekocht. Pünktlich zu ostern gibt es also wieder einen Haufen Frühlingskram, Schmertterlinge und klopfende Herzen inklusive.
Ich frage mich, was am Frühling nur so anders ist, dass alle Welt sich zu verlieben glaubt. Vielleicht schwirren ja irgendwelche Hormone und Pollen durch die Luft.
Denn etwas Anderes soll Liebe ja angeblich nicht sein. Reine Hormonschübe, die zum Paarungszweck ausgeschüttet werden. Furchtbar romantisch. Ehrlich.
Aber so etwas kommt nun einmal davon, wenn man alles zu erklären versucht. Dann wird der Mensch schnell mal auf
44,1 kg Sauerstoff
14,0 kg Kohlenstoff
7,0 kg Wasserstoff
2,1 kg Stickstoff
1,0 kg Klazium
140 g Schwefel
70 g Chlor
70 g Natrium
30 g Magnesium
3 g Eisen
300 mg Kupfer
100 mg Mangan
30 mg Iod
Begeisternd nicht wahr?
Was unterscheidet Menschen noch vom Tier? Dinge wie Sprache, Sozialverhalten und Lebensstandart können wir ja nur aus unserer Sicht hin messen. Was bleibt noch übrig?
Zerstörung.
Und nein, ich möchte nicht fatalistisch klingen. Aber das Einzige, was bleibt, ist, dass der Mensch seine Umwelt ausbeutet und zerstört. In allen anderen Dingen haben wir kaum die nötige Neutralität uns zu vergleichen. Wenn wir dem Menschen also jeglicher Religion und anderer Formen des Glaubens berauben und uns lediglich auf Fakten stützen, sind wir Menschen im Grunde genommen nicht mehr so toll, wie wir immer tun.
Jazz over and out.
Mittwoch, 31. März 2010
Theorien zum Glück I
Lang ist's her, seit der letzte Post seinen Weg in diesen Blog fand und weiß Gott ist viel passiert. Aber darum soll es heute nicht gehen. Heutiges Thema sind viel mehr Theorien zum Glück.
Was ist Glück?
Nun, ehrlich gesagt habe ich von Glück keine Ahnung. Immer wieder, wenn ich es erlebe, ist es in sekundenschnelle vergangen, ehe ich mir richtig bewusst bin glücklich zu sein. Denn, wenn ich es bin, mache ich mir keine Gedanken darüber was es ist. Dann ist es einfach.
Glück ist keine Zufriedenheit. So viel weiß ich. Zufriedenheit kann ich an Dingen messen. Essen. Schlaf. Trinken. Geborgenheit. Liebe.
Glück aber tritt so zufällig und willkürlich auf, als hätte es sich selbst noch nicht ganz entscheiden, was es denn sein möchte.
Ein Beispiel.
Wenn ich ein altes Foto in Händen halte, kann es ganz urplötzlich passieren, dass mich eine Welle des Glücks übermannt. Dann treibe ich eine Zeit vorsichtig dahin und bin noch ganz benebelt, wenn es aufhört. Versuche ich denselben Effekt nun noch einmal zu erleben, hat das Glück sich längst verzogen.
Für mich ist Glück beinahe wie Regen. Unberechenbar und völlig losgelöst. Man muss es auskosten, wenn es da ist und nicht sein Leben lang danach fragen. Denn wenn man es am meisten begehrt, sit es oft am weitesten fort.
Aber dazu später mehr, denn für den Moment möchte ich nur versuchen ein wenig Zufriedenheit zu erlangen in dem ich schlafe.
Jazz over an out.