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Ich bin genervt. Wirklich genervt.
Vielleicht auch wütend.
Ein bisschen zumindest.
Wahnsinn ich komme oder so etwas in der Art. Es ist grade ein wenig schwer meine Gedanken zu sortieren und nur deswegen schreibe ich überhaupt. Damit sich irgendetwas sortiert, zumindest ansatzweise. Ob ich hinterher mit dem Ergebnis zufrieden sein werde weiß ich nicht und eigentlich ist es auch relativ egal, solange nur ein Ergebnis heraus kommt.
Warum ich so wütend bin?
Dafür muss ich ein wenig ausholen. Nehmt Platz und ich erzähle euch etwas über Menschen. Ich hoffe ihr habt Zeit mitgebracht, denn das hier könnte dauern, solange meine geistige Verwirrung anhält zumindest.
Seht euch mal den Mond an. Seine vernarbte Seite, die Einzige, die man von der Erde aus sehen kann. Wisst ihr, bei Batman gibt es einen Bösewicht. Twoface.
Bei jeder seiner Entscheidungen gibt es genau zwei Möglichkeiten. Ja oder Nein. Er entscheidet sich mit Hilfe einer Münze. Die eine Seite ist vollkommen, wie die einer Münze sein sollte, die Andere vernarbt, wie der Mond.
Und genau dieser vermeidliche Bösewicht (Nun wer vermag das schon zu sagen, immerhin ist es reiner Zufall, ob er etwas wirklich böses tut.) erfasst das Wesen der Menschheit mit einer simplen Aussage.
Gott habe etwas erschaffen wollen. Er warf eine Münze. Sie landete auf der vernarbten Seite und so erschuf er die Menschheit. Und seither scheint das Licht dieser göttlichen Münze auf die Menschen herab damit diese sich diesem großen Zufall bewusst werden.
Süß oder? Der Mensch als großer Zufall. Ja, das gefällt den Wissenschaftlern und bringt die Gläubigen zum Wettern. Aber ich finde der gute Twoface bringt das Ganze so charmant rüber, dass man nur schmunzeln oder den Kopf schütteln kann.
Ich selbst habe keine Ahnung woher Menschen kommen, bin weder Theologin noch habe ich die Evolution des Menschen erkundet. Irgendwo werden wir schon herkommen oder auch nicht, wer kann das schon sicher wissen? Zumindest sind wir da und das ist erst mal die Grundlage.
Wir sind da.
Wir denken.
Und wir maßen uns an einander in Kategorien wie Gut oder Böse zu unterteilen.
Dabei haben wir solche Kategorien nicht einmal genauer definiert. Es gibt ganze Debatten über das Thema, was nun gut und was böse ist oder ob der Mensch an sich schon in eine Richtung tendiert. Alles wirklich philosophisch, manchmal auch rational erklärt, aber im Grunde ja unwichtig, weil das Ganze ohnehin subjektiv ist. Versucht man objektiv an das Problem heranzugehen stößt man leicht an die Grenzen der Moral.
Ein Beispiel.
Wir befinden uns in einem Kreissaal. Seit Stunden schon ertönen die Schreie der werdenden Mutter, zerreißen die Luft. Es ist zum Herzerweichen. Die arme Frau schreit und schreit, doch der Kopf des Kindes ist noch nicht einmal halb herausgepresst. Unterdessen raucht ihr Mann Zigarette um Zigarette. Seine Finger sind schon ganz gelb davon. Immer wieder streicht er sich nervös durchs Haar, blickt in Richtung Kreissaal und schüttelt den Kopf. Auch ihn zermürbt es, wenngleich der Schmerz ein Anderer ist. Es braucht Stunden, doch schließlich gelingt die Geburt. Man ruft den Mann herein. Er ist ein nervliches Wrack, seine Frau ist so erschöpft, dass sie kaum ansprechbar ist. Der Kreissaal schweigt. Keiner der Ärzte spricht. Der Mann wird nervös. Dann endlich tritt die Hebamme hervor. Ihr Gesicht ist von Mitleid grotesk verzerrt, in ihren Armen wiegt sie einen kleinen Klumpen Fleisch. Das Kind. Das kleine Mädchen, das seinen Eltern solche Qualen bereitet hat. Sie schreit nicht. Sie rührt sich nicht. Sie ist tot.
Und nun denkt nach. Lasst euch nicht davon beeinflussen, wie es weitergeht, lasst die Geschichte einfach hier zu Ende gehen. Sehen wir uns das Mädchen an. Ihr Leben ist erstaunlich kurz, doch die wenigen Augenblicke, die sie wirklich gelebt hat, hat sie anderen nur Qualen bereitet. Ihrer Mutter, durch Schmerzen. Ihrem Vater, durch Sorgen. Den Ärzten und der Hebamme, durch die Unangenehme Tatsache ihres Todes.
Wollen wir nun rational an das Ganze herangehen überwiegen diese schlechten Taten. Was hat das kleine Ding auch Gutes getan? Trotzdem würde niemand dieses namenlose Mädchen als böse bezeichnen oder etwa doch? Sie kann doch nichts dafür. Ja, so argumentiert man dann. Aber kann ein geistig gestörter Mörder denn etwas für seine Krankheit?
Also scheiß auf Objektivität, scheiß auf Rationalität. Die Frage ob Gut oder Böse ist so subjektiv wie nur irgend möglich, ein Streitpunkt, der nie geklärt werden kann.
Von wegen die Menschheit sei verkommen, eine Ausgeburt des Bösen, von wegen Himmel und Hölle, von wegen Gerechtigkeit.
Wir sind einfach. Wir sind nicht gut. Wir sind nicht böse. Wir sind unvollkommen und vollkommen zugleich, sind dumm in unserem eigenen Versuch schlau aus uns und der Welt zu werden. Wir sind ungerecht in unserem Wunsch nach Gerechtigkeit, sind arrogant uns als Gottes Kinder zu bezeichnen.
Und komischer Weise ist mein Kopf nach diesem Wettern und Schimpfen gegen alles Menschliche erstaunlich sortiert. Das sollte mir vieleicht zu denken geben, vielleicht auch nicht.
Ich bin nicht mehr genervt.
Ich bin nicht mehr wütend.
Nur ein wenig leer. Leer, aber fröhlich.
Und das obwohl ich kein Wort über die Gründe meiner Laune oder etwas in der Art verraten habe. Wirklich amüsant.
Jazz over and out.
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