Mittwoch, 30. Dezember 2009

Caritas

...

Bouna Sera.
Willkommen.
Oder so etwas in der Art.

Habt ihr schon einmal jemandem helfen wollen? Aus tiefstem Herzen, egal mit welchen Mitteln? Dabei ist es auch vollkommen egal, ob es mehr ein Fremder als ein Freund ist, vielleicht sogar eine Mischung aus Beidem. Wenn ihr alles dafür geben wollt und trotzdem einsehen müsst, dass ihr nichts das Geringste geben könnt, ist das mehr als bitter. Nicht nur für euch.
Ich habe nie behauptet eine gute Trösterin zu sein, Halt oder intelligente Ratschläge geben zu können, eher sogar das Gegenteil. Es hat auch nie jemand erwartet. Eher waren es die anderen die mich mit dem Gegenteil glaubten zu rühmen müssen.
Doch die Wahrheit ist wohl, dass ich wirklich mehr als schlecht darin bin.
Das Problem, das sich zeigt, ist nur, dass ich eine gute Zuhörerin bin, dass Menschen mir gerne Vertrauen entgegen bringen.
Es ist als hätte ich die Gabe zuzuhören ohne sie nutzen zu können.
ALs wäre ich eine gute Autorin, könnte wunderbare Worte erschaffen, aber hätte nichts, was es sich einzufangen Lohnt. Keine Botschaft, keine Geschichte, nur leere Worte. Genau solche, wie es auch die sind, die ich versuche um Trost zu spenden.
Warum also, warum haben wir diese Gaben ohne sie nutzen zu können? Hätte ich irgendwann einmal lernen sollen meine Worte gezielt einzusetzen, mein Zuhören in etwas zu verwandeln, das wirklich Sinn hat?
Vielleicht nicht.
Es könnte genauso gut sein, dass es ein äquivalenter Tausch ist. Ein Gleichgewicht der Dinge. Wenn ich gut Zuhöre, wäre es vermessen zu wollen, dass auch meine Worte ihr Ziel erreichen. Wenn ich gut schreibe, wäre es nicht Rechtens auf Anhieb eine Botschaft zu finden.
Botschaften lassen sich finden. Durch andere, durch Erfahrungen, aber wie steht es mit Trost? Wo finde ich Trost für einen anderen Menschen?
Was bringt schon Mitleid, Caritas, wenn man nichts zu geben hat? Wo ist hier der Sinn der Nächstenliebe?
Liebe deinen Nächsten so wie dich selbst.
Und was bringt es ihm, wenn man sich selbst auch nicht helfen kann? Und wer hilft denen, die sich selbst nicht lieben?
Ich glaube heute keine Antwort zu finden. Warten wir, vielleicht findet sie mich. Irrsinn? Ja, ich bin fast da.

Jazz over and out.

Sonntag, 27. Dezember 2009

Twoface



...

Ich bin genervt. Wirklich genervt.
Vielleicht auch wütend.
Ein bisschen zumindest.

Wahnsinn ich komme oder so etwas in der Art. Es ist grade ein wenig schwer meine Gedanken zu sortieren und nur deswegen schreibe ich überhaupt. Damit sich irgendetwas sortiert, zumindest ansatzweise. Ob ich hinterher mit dem Ergebnis zufrieden sein werde weiß ich nicht und eigentlich ist es auch relativ egal, solange nur ein Ergebnis heraus kommt.
Warum ich so wütend bin?
Dafür muss ich ein wenig ausholen. Nehmt Platz und ich erzähle euch etwas über Menschen. Ich hoffe ihr habt Zeit mitgebracht, denn das hier könnte dauern, solange meine geistige Verwirrung anhält zumindest.
Seht euch mal den Mond an. Seine vernarbte Seite, die Einzige, die man von der Erde aus sehen kann. Wisst ihr, bei Batman gibt es einen Bösewicht. Twoface.
Bei jeder seiner Entscheidungen gibt es genau zwei Möglichkeiten. Ja oder Nein. Er entscheidet sich mit Hilfe einer Münze. Die eine Seite ist vollkommen, wie die einer Münze sein sollte, die Andere vernarbt, wie der Mond.
Und genau dieser vermeidliche Bösewicht (Nun wer vermag das schon zu sagen, immerhin ist es reiner Zufall, ob er etwas wirklich böses tut.) erfasst das Wesen der Menschheit mit einer simplen Aussage.
Gott habe etwas erschaffen wollen. Er warf eine Münze. Sie landete auf der vernarbten Seite und so erschuf er die Menschheit. Und seither scheint das Licht dieser göttlichen Münze auf die Menschen herab damit diese sich diesem großen Zufall bewusst werden.
Süß oder? Der Mensch als großer Zufall. Ja, das gefällt den Wissenschaftlern und bringt die Gläubigen zum Wettern. Aber ich finde der gute Twoface bringt das Ganze so charmant rüber, dass man nur schmunzeln oder den Kopf schütteln kann.
Ich selbst habe keine Ahnung woher Menschen kommen, bin weder Theologin noch habe ich die Evolution des Menschen erkundet. Irgendwo werden wir schon herkommen oder auch nicht, wer kann das schon sicher wissen? Zumindest sind wir da und das ist erst mal die Grundlage.
Wir sind da.
Wir denken.
Und wir maßen uns an einander in Kategorien wie Gut oder Böse zu unterteilen.
Dabei haben wir solche Kategorien nicht einmal genauer definiert. Es gibt ganze Debatten über das Thema, was nun gut und was böse ist oder ob der Mensch an sich schon in eine Richtung tendiert. Alles wirklich philosophisch, manchmal auch rational erklärt, aber im Grunde ja unwichtig, weil das Ganze ohnehin subjektiv ist. Versucht man objektiv an das Problem heranzugehen stößt man leicht an die Grenzen der Moral.
Ein Beispiel.
Wir befinden uns in einem Kreissaal. Seit Stunden schon ertönen die Schreie der werdenden Mutter, zerreißen die Luft. Es ist zum Herzerweichen. Die arme Frau schreit und schreit, doch der Kopf des Kindes ist noch nicht einmal halb herausgepresst. Unterdessen raucht ihr Mann Zigarette um Zigarette. Seine Finger sind schon ganz gelb davon. Immer wieder streicht er sich nervös durchs Haar, blickt in Richtung Kreissaal und schüttelt den Kopf. Auch ihn zermürbt es, wenngleich der Schmerz ein Anderer ist. Es braucht Stunden, doch schließlich gelingt die Geburt. Man ruft den Mann herein. Er ist ein nervliches Wrack, seine Frau ist so erschöpft, dass sie kaum ansprechbar ist. Der Kreissaal schweigt. Keiner der Ärzte spricht. Der Mann wird nervös. Dann endlich tritt die Hebamme hervor. Ihr Gesicht ist von Mitleid grotesk verzerrt, in ihren Armen wiegt sie einen kleinen Klumpen Fleisch. Das Kind. Das kleine Mädchen, das seinen Eltern solche Qualen bereitet hat. Sie schreit nicht. Sie rührt sich nicht. Sie ist tot.
Und nun denkt nach. Lasst euch nicht davon beeinflussen, wie es weitergeht, lasst die Geschichte einfach hier zu Ende gehen. Sehen wir uns das Mädchen an. Ihr Leben ist erstaunlich kurz, doch die wenigen Augenblicke, die sie wirklich gelebt hat, hat sie anderen nur Qualen bereitet. Ihrer Mutter, durch Schmerzen. Ihrem Vater, durch Sorgen. Den Ärzten und der Hebamme, durch die Unangenehme Tatsache ihres Todes.
Wollen wir nun rational an das Ganze herangehen überwiegen diese schlechten Taten. Was hat das kleine Ding auch Gutes getan? Trotzdem würde niemand dieses namenlose Mädchen als böse bezeichnen oder etwa doch? Sie kann doch nichts dafür. Ja, so argumentiert man dann. Aber kann ein geistig gestörter Mörder denn etwas für seine Krankheit?
Also scheiß auf Objektivität, scheiß auf Rationalität. Die Frage ob Gut oder Böse ist so subjektiv wie nur irgend möglich, ein Streitpunkt, der nie geklärt werden kann.
Von wegen die Menschheit sei verkommen, eine Ausgeburt des Bösen, von wegen Himmel und Hölle, von wegen Gerechtigkeit.
Wir sind einfach. Wir sind nicht gut. Wir sind nicht böse. Wir sind unvollkommen und vollkommen zugleich, sind dumm in unserem eigenen Versuch schlau aus uns und der Welt zu werden. Wir sind ungerecht in unserem Wunsch nach Gerechtigkeit, sind arrogant uns als Gottes Kinder zu bezeichnen.

Und komischer Weise ist mein Kopf nach diesem Wettern und Schimpfen gegen alles Menschliche erstaunlich sortiert. Das sollte mir vieleicht zu denken geben, vielleicht auch nicht.
Ich bin nicht mehr genervt.
Ich bin nicht mehr wütend.
Nur ein wenig leer. Leer, aber fröhlich.
Und das obwohl ich kein Wort über die Gründe meiner Laune oder etwas in der Art verraten habe. Wirklich amüsant.

Jazz over and out.

Samstag, 26. Dezember 2009

Vom Anfang des Wahnsinns...

...

Was fehlt ist ein Anfang.
Ein Beginn.
Meinetwegen eine Bekanntmachung, das kann jeder halten, wie er möchte.
Ich könnte mich vorstellen, erklären, warum ich einen Blog beginne, aber das wäre nur allzu gewöhnlich, meint ihr nicht? Ohnehin gehe ich nicht davon aus, dass diese Worte je ihren Weg unter die Augen von jemand anderem al mir finden.
Die Wahrheit, warum ich hier schreibe, liegt wohl irgendwo zwischen Langeweile und dem Gefühl als gäbe es in meinem Kopf nur Watte, vielleicht ist es aber auch nur ein Anflug des Wahnsinns, den Pubertierende so an sich haben.
Dabei fällt mir ein schönes Zitat ein, ja ein Anfang. Beginnen wir also damit.

"Aber ich will nicht unter verrückten Menschen sein.", sagte Alice.
"Oh. Dagegen lässt sich nichts machen.", sagte die Katze, "Wir sind alle wahnsinnig hier. Du bist es, ich bin es."
"Woher weiß ich, dass ich wahnsinnig bin?", fragte Alice.
"Das musst du sein.", sagte die Katze, "Sonst wärst du nicht hergekommen."


Lewis Carroll
"Alices Abenteuer im Wunderland"
Eine tolle Geschichte. Ich mag sie. Besonders die Grinsekatze. Oh und natürlich das weiße Kaninchen, dass Alice erst ins Wunderland bringt. Ganz ehrlich, ich habe das Buch leider nie gelesen und bin schlichtweg der kitschigen Disneyverfilmung verfallen. Mehr jedoch den Bildern, die tolle Künstler aus aller Welt zu diese Geschichte gemalt haben. Ich liebe Bilder. Aber zurück zum Wahnsinn, denn das ist ja eigentliches Thema geworden, nicht wahr?
Wahnsinn ist schon seltsam.
Ich glaube jeder Mensch ist wahnsinnig. Irgendwo bestimmt ein bisschen. Besonders die klugen Menschen sind wahnsinnig. Das ist ganz logisch finde ich. Man muss sich dafür nur unsere Welt ansehen. Habt ihr schon einmal ein wahnsinniges Tier gesehen? Also ich nicht.
Das heißt Menschen werden also Wahnsinnig, weil sie eine Grundvoraussetzung dafür erfüllen. Und was ist das, was den Mensch angeblich so sehr vom Tier unterschiedet? Intelligenz.
Wenn Intelligenz also Grundvoraussetzung für Irrsinn oder auch Wahnsinn ist, dann sind besonders intelligente Menschen auch am Wahnsinnigsten. Punkt.
Dann sind die weißen Kaninchen, die uns in dieses Land des Wahnsinns führen nur Ausdruck dafür, dass wir nun klug genug sind um völlig durchzudrehen.
Welch Ehre.
Wenn die Pubertät also nun oft dem Wahnsinn gleich kommt, dann nur, weil sich hier entscheidet wie intelligent ein Mensch wirklich ist. Zumindest hoffe ich das, denn, wenn es etwas gibt, das schlimmer ist als Wahnsinn, dann ist das doch wohl völlig sinnentleerter Wahnsinn, oder?
Viel angenehmer ist es da doch zu wissen, dass all dieser Irrsinn irgendwo doch einen Sinn hat. Immerhin kann man weder Wahnsinn noch Irrsinn ohne das Wort Sinn schreiben. Sehr beruhigend. Und irgendwann sind wir alle dann endlich so wahnsinnig, dass wir lieber dumm sind, als das Ganze noch weiter auszuführen und uns damit in eine Katastrophe zu stürzen.
Um diesen Eintrag nun stilvoll zu Ende zu bringen ein weiteres Zitat aus einem Buch, welches ich nie gelesen habe, aber unbedingt einmal lesen sollte.

"Und ist es nicht die sanfte Hand der Mutter, die für dich die Vorhänge zurückzieht, und die süße Stimme der Mutter, die dich aus dem Schlafe lockt und hilft, im hellen Sonnenlicht die grässlichen Träume zu vergessen, die dich ängstigen in all der Finsternis?"
Lewis Carroll
"Alices Abenteuer im Wunderland"

Und wer nun fragt, woher all diese Worte aus einem ungelesenen Buch stammen, dem sei gesagt, dass auch Zitate noch zitierwürdig sind und man ein Buch nicht immer lesen muss um beeindruckt von seinen Worten zu sein.

Jazz over and out.